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geschrieben 1995 von Rautus Norvegicus (Rautus Norvegicus).
Veröffentlicht: 16.03.2025. Rubrik: Total Verrücktes


Fahrerflucht

Es war am 03.08.1990. Dreizehn Stunden war ich auf den Autobahnen Frankreichs und Deutschlands unterwegs. Mein Urlaub, den ich drei wundervolle Wochen in Südfrankreich bei Bekannten verbracht hatte, war nun leider vorbei. Etwas schwermütig dachte ich an Anette zurück, die mir in den vergangenen Wochen tagsüber eine erstklassige Fremdenführerin und des Nachts eine zärtliche Bettgenossin gewesen war.

SatirepatzerSatirepatzerNachdem ich von der A 430 auf die A 52 gewechselt hatte, drehte ich bei meinem leistungsstarken Blaupunkt Kassetten-Radio Gerät den Sender SWF-3 rein, für die letzten Kilometer war ich nicht mehr auf den Verkehrsfunk angewiesen, der mich während
meiner langen Reise sicher an den zahlreichen Staus vorbei geleitet hatte.

Der Sender-Wechsel lohnte sich, denn bis zu dem Waldweg, der zu unserem Haus führte, nachdem ich den Kraftfahrzeug-Straßen endgültig meinen Auspuff zeigte, wurde die komplette Film-Musik des Films 'Rain Man' gesendet. Die Musik hatte mich in dem Kino-Film hellauf begeistert. So achtete ich nicht all zu sehr auf den holprigen Weg. Plötzlich tauchte, wie aus dem Nichts, ein Schatten vor mir auf! Zum Bremsen war es zu spät!

Ich riss das Steuer herum, doch ich
erwischte die dunkle Gestalt, die am Wegesrand gegangen war, mit meinem rechten Kotflügel. Sie
wurde hoch geschleudert, stieß dabei einen markerschütternden Schmerzensschrei aus, der jäh
verstummte, als sie einige Meter hinter dem Wagen auf den Boden knallte. Rutschend und schlingernd kam das Auto zum Stehen. Am ganzen Körper zitternd stieg ich aus und ging mit schlotternden Beinen zu dem blutenden Haufen am Wegesrand. Mit einem Blick sah ich, dass hier jede Hilfe zu spät kam.

Nach kurzem Überlegen öffnete ich den Kofferraum und hievte die leblose Gestalt hinein. Im Schritt-Tempo legte ich die letzten 300 Meter nach unserem Haus zurück. Dass mir das ausgerechnet nach diesem schönen Urlaub passieren musste!

Vor unserer Haustür erwartete mich schon freudestrahlend meine Mutter. Die Wiedersehensfreude
verflog jedoch schnell, als ich mit kreidebleichem Gesicht und wackligen Beinen ausstieg. Noch
bevor wir uns zur Begrüßung umarmten, unterrichtete ich sie schnell von dem Unfall und dass ich das tote Opfer im Kofferraum liegen hatte.

Meine Mutter schaute mich an und sagte nur knapp: „Morgen kommen Götz und Regina zum sonntäglichen Familien-Essen. Der Andreas hat zwar wie immer noch nichts von sich hören lassen, aber er wird wohl auch mit seiner Ute auftauchen.“ Sie lächelte mich seltsam an. „Mach dir keine Sorgen, es wird alles nur halb so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Geh erst mal rauf und schlaf dich aus, die Reise war bestimmt anstrengend. Ich werde mich um die Sache kümmern!“ Dankbar begab ich mich in mein Zimmer und schlief bis in den späten Vormittag des nächsten Tages hinein.

Ich wurde von herrlichem Bratenduft geweckt , der mir in die Nase stieg. Jetzt, am helllichten Tage, sah alles schon viel besser aus. Mit meiner Familie; Mutter, Brüder und Schwägerinnen, speiste ich dann zu Mittag, musste ausführlich von meinem Urlaub erzählen. Nur gelegentlich wurde mein Redeschwall unterbrochen, zum Beispiel , wenn jemand Nachschlag von den leckeren Speisen verlangte.

Mein Bruder Götz z. B. wollte noch mehr Klöße, obwohl er schon neun Stück in sich herein gestopft hatte! Er war seiner lieben Regina ganz offensichtlich schon wieder einmal sehr peinlich!

Mein Bruder Andreas bevorzugte mit seiner Gattin Ute eher das zarte Fleisch des Schmorbratens , und gemeinsam verdrückten die beiden die letzte Scheibe. Am Ende der ausgedehnten Mahlzeit fielen mir wieder die Ereignisse des Vortages ein und ich wurde unruhig.

Nachdem alle verabschiedet und gegangen waren, fragte ich meine Mutter: „Was hast du eigentlich
mit dem Corpus Delicti gemacht? Hast du es vergraben?“ Empört sah mich meine Mutter an.
„Vergraben!“ schnaubte sie empört, „Was macht man wohl mit einem frischen Schmor?“

Und ich dachte an den herrlichen Schmorbraten und die guten halb und halb Kartoffelklöße als Beilage dazu. Ich
pulte mir eine Fleischfaser zwischen den Zähnen heraus und beglückwünsche mich insgeheim zu einer solch listigen Mutter!

Ende

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Jens Richter am 16.03.2025:
Kommentar gern gelesen.
Hallo Rautus, ziemlich bizzar Deine Geschichte!
Ich frag mich nur wie man nach so einem Unfall überhaupt mit der Familie am Tisch sitzen kann und genüsslich Mittagessen kann.
Trotzdem spannend geschrieben.
Eine Frage noch, steckt hinter Rautus BadLetters? Mit dem Tag als BadLetters verschwand und viel zu tun hat, tauchte plötzlich Rautus auf.
Viele Grüße von Jens





geschrieben von Jens Richter am 16.03.2025:
Kommentar gern gelesen.
Lieber Rautus, als ich vor 40 Jahren in meinen letzten Winterferien vor der Lehrausbildung meine erste Erzählung zu Papier gebracht hatte, hatte sie auch einen ganz anderen Schreibstil, als heute. Wenn ich überhaupt von einem eigenen Schreibstil sprechen kann...
Ich hatte aus diesem Grund vermutet, dass Du diese ganzen alten Erzählungen unter Rautus heraus bringst und die aus der Gegenwart unter BadLetters.
Mein Verdacht hatte sich offenbar nicht bestätigt!
Meine Originaltexte und Skizzen existieren ebenfalls noch. Viele Texte davon überarbeite ich gerade.
Viele Grüße von Jens






geschrieben von Rautus Norvegicus am 16.03.2025:

Hallo Jens, den ein oder anderen Gag hab ich auch in meine alten Stories eingefügt. Klar hast du einen ganz eigenen, persönlichen (Schreib)Stil.

Bei mir ist es auch so, wenn ich eine Geschichte schreibe, dann immer mit Stift und Papier, da strömt es quasi aus meinen Fingern und ich muss nicht auch noch drauf achten, dass ich die richtigen Buchstaben auf der Tastatur treffe.

Zur Zeit kann ich aber irgendwie keine gute Story schreiben, kann mich nicht richtig darauf konzentrieren. Hätte auch nur noch eine einzige alte Story, vielleicht haue ich die demnächst auch noch raus. Dann, so hoffe ich, fällt mir bald noch etwas Neues ein.

Viele Grüße

Rautus Norvegicus


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