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3xhab ich gern gelesen
geschrieben von Bad Letters.
Veröffentlicht: 03.04.2025. Rubrik: Menschliches


Der Bussard zieht seine Kreise

Meine Zuversicht scheint sich wieder ein Stück weiter hinter dem Horizont zu verstecken, obwohl ungewiss ist, inwieweit sich die Zukunft von Größenwahn gängeln lässt. Der Bussard zieht ungerührt seine Kreise, bleibt in der Luft stehen, rüttelt kurz und beobachtet, so wie ich ihn beobachte.

Ein Landwirt bestellt sein Feld und sein breites Gähnen hinter seiner Treckerscheibe lässt vermuten, dass auch er, eher von ungerührter Natur scheint. Ich lasse mich anstecken und gähne mit.

Der frisch beackerte Boden verströmt seinen Duft und ein erdiges Aroma erreicht mich. Ob ich mir nur einbilde, dass das Einatmen dieser ursprünglichen Aromen mich zu erden scheint? Ein ungewöhnlicher Gedanke für mich und es muss wohl dem Leser überlassen werden, welchen Keim mein Gedanke in seinen Geist setzt.

Im Schatten sitzend, lässt es sich aushalten, ich habe bereits genug Sonne getankt und freue mich, nach meiner kurzen, aber erholsamen Rast, wieder im Wald verschwinden zu dürfen.

Mein Sitzfleisch gibt mir zwar zu verstehen, dass es nicht mehr in Kontakt mit dem Fahrradsattel kommen möchte, nur lasse ich ihm keine Wahl, da schieben für mich keine Option darstellt.

Ob der gelbe Zitronenfalter ahnt, dass wir ein Stück desselben Weges nehmen werden? Wahrscheinlich nicht, aber sein quirliges umherflattern motiviert mich, meine Tour in seinem zarten Sog fortzusetzen.

Nach einer ausgedehnten Walddurchquerung empfangen mich Pferdekoppeln, wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Ihre Bewohner stehen zahlreich und vollkommen starr in der Sonne. Schlafen die etwa alle? Gleichzeitig?

Die Vision an ein Nachmittagsschläfchen zieht wohlwollend an mir vorüber, ob ich meine geplante Tour abkürzen sollte? Der innere Schweinehund meldet sich prompt, aber ich gebiete ihm, sich schleunigst zu trollen. Bewegung muss heute sein, sonst rosste ich noch ganz ein.

Zu Hause angelangt, ist meine Zuversicht nicht wirklich gewachsen, zumindest nicht spürbar, trotzdem fühle ich mich erleichtert. Mit einer frisch aufgegossenen Tasse schwarzen Tees, lasse ich mich auf der Terrasse nieder und gewähre der Sonne noch einmal mich zu bescheinen. Die Zeilen sind schnell geschrieben, noch bevor der letzte Schluck Tee, lauwarm meine noch durstige Kehle herabrinnt.

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Kommentare zu dieser Kurzgeschichte

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geschrieben von Babuschka am 03.04.2025:
Kommentar gern gelesen.
Deine Geschichte ermuntert den Leser, die Leserin, sich ebenfalls auf den Fahrradsattel zu schwingen und durch den Wald zu kurven. Gute Idee!
LG Babuschka




geschrieben von Bad Letters am 03.04.2025:

So ein Frühlingsausritt auf dem Drahtesel Babuschka, kann schon aufmuntern, man muss es ja auch nicht direkt übertreiben. Danke!

MfG
Bad Letters




geschrieben von rubber sole am 03.04.2025:

Eine Ode an die Natur, Bad: Carpe diem!

lgrs




geschrieben von Jens Richter am 04.04.2025:

Ja, lieber Bad Letters, ich kann jedes Deiner Worte nachvollziehen. Ich war jetzt auch jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang eine Runde über die Dörfer drehen.
Der Geruch frisch beackerter Erde, Milane die ihre Kreise am Himmel ziehen, Hummeln die laut summend den Weg kreuzen und der eigenartige Geschmack der Pollen auf den Lippen.
Das ist Leben pur!
Viele Grüße von Jens

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