Veröffentlicht: 19.03.2025. Rubrik: Satirisches
Zum Ende…
meiner beruflichen Laufbahn hin war ich für den Schichtdienst nicht mehr einsetzbar. Nach etwa 34 Jahren rollender Woche litt ich an permanenten Schlafstörungen, kurz ich durfte keine Nachtschichten mehr machen. So entschied ein Gremium von Ärzten nach genauester Untersuchung und einem sogenannten Schlaflabor. Dabei hatte ich gerade das Arbeiten in der Nacht gemocht. Du hattest deine Ruhe, keiner hat dir im Falle eines Falles dazwischen gefunkt. Und man konnte danach zu Bett gehen, wenn Mitbürger gerade aufstanden um zur Arbeit zu fahren. Klar man konnte auch nicht auf andere verweisen wenn mal etwas vor den Baum ging und musste selbst für eventuelle Pannen einstehen!
Aber, genau dieses hat mir an dieser Tätigkeit so gut gefallen.
Das wollte ich dem Folgenden nur voranstellen. Man nahm mich aus den Schichten. Ich wurde auf eine, sogenannte Störungsstelle für Gas, Wasser- und Strom umgesetzt. Diese Geschichte wurde dazumal nur im Früh- und Spätdienst betrieben (jetzt 3-Schichtsystem) Das hatte den großen Vorteil für die Kollegen der Netzleitstelle, die sich im gleichen Raum befand. Vorher war ich in ebendieser Funktion einige Jahre tätig gewesen und so konnte ich schnell mal einspringen wenn erwähnte Mitarbeiter mal einem längerem Geschäft frönen, bzw. eine draußen rauchen wollten.
Auf der Störungsstelle bekam ich einen Kollegen der versuchte seinen Mangel an lichter Höhe durch das Fahren möglichst großer Autos zu kompensieren. Der wohnte am Ort seiner Tätigkeit, kam aber nie, zumindest zu meinen Zeiten, nicht, auf die Idee mal mit Bahn oder Bus auf Arbeit zu fahren. Das war damals noch bezahlbar, ehrlich. Jedenfalls bei diesem, meinem Kollegen musste es schon ein hochtouriges, möglichst großes Protzfahrzeug, zumeist amerikanische Nobelschlitten, mit größtmöglichen Spritverbrauch sein. Diese „Geschosse“ waren zumeist noch nicht einmal handwarm, wenn er vor Ort erschien. Das war ja nun schon abartig genug aber das, noch wesentlich lustigere, zumindest für mich, war das er jedes Wort was ich sagte, sozusagen auf die Goldwaage legte und umgehend ergoogelte was eigentlich gemeint war.
Ich hätte es ihm garantiert erläutert aber der wollte lieber auf Nummer sicher gehen und vertraute eben dem Netz mehr als mir. Na ja, irgendwie hat wohl jeder einen Schaden. Bei ihm kam noch ein gerütteltes Maß an Unfähigkeit, zu dieser Tätigkeit, dazu, Was bei weitem noch schlimmer war, dass er seine berufliche Umwelt bespitzelte und denunzierte, damit die obere Ebene immer im Bild war. Bin durch Zufall auf diesen traurigen Fakt gestoßen und habe die anderen Kollegen natürlich sofort in Kenntnis gesetzt und sie haben sich dann vorgesehen.
Einige Jahre zuvor hätte er bestimmt einen guten IM beim GHG (Gucken, Horchen, Greifen- die STASI) abgegeben aber diese Zeiten waren ja glücklicherweise vorbei. Er war schon etwas länger als ich auf der Störungsstelle und war der Meinung er könne mir zeigen und vor allem befehlen wo es lang geht. Das hat er zumindest so lange versucht bis ich klarlegte was er eigentlich war. Ein dummer, einfältiger Popanz der es nach mehreren Versuchen und sehr viel Hilfe, endlich zum Meister in seinem Metier geschafft hatte. Auch nur ein Titel. Mit dem Schein dazu hätte man auch eine, oberflächlich geschädigte, Wand tapezieren können. Auf diesen `Meister` war er lange Zeit stolz und hat mir es jedes Mal unter die Nase gerieben bis ich ihm, irgendwann doch etwas entnervt, meinen Ingenieur Abschluss vor die Klüsen hielt. Ich glaube seitdem hat er nur noch das Allernötigste mit mir geredet. So viel zu Eitelkeiten.
(O.R.F.)

