Veröffentlicht: 01.08.2020. Rubrik: Unsortiert
Sprich, damit ich Dich sehe!
Im Herbst ist das Münsterland anziehend.
In diesem Herbst trennten sich die Bäume, früher als sonst, von ihren Blättern. Das rotbraun geäderte Laub, bedeckte in farblich aufeinander abgestimmten Schichten, Teile der Promenade. In den Vorgärten ragte noch hie und da die Kapuzinerkresse und die Herbstzeitlose blickte unschuldig wie je. Es roch nach Gewürzen. Und noch etwas lag in der Luft. Ich atmete es ein, konnte es aber nicht beschreiben; nur das es leichter machte.
Eine stille Bank zwang mich zum Verweilen. Ein alter Mann setzte sich zu mir. Er hatte ein Schachspiel unter dem Arm. Über den Rand seiner Brille schaute er mich an. Ich nickte. Während er die Figuren ins Spiel trug, bemerkte ich, dass seine Hände leicht zitterten.
Er klopfte seine Jackentaschen ab, entnahm der rechten eine Tabakspfeife, zog daran, klopfte abermals die Taschen ab und zog aus der linken einen Tabaksbeutel. Dann fing er an, ganz ohne Hast, sich die Pfeife zu stopfen.
Ich wartete auf seinen Zug.
Aber er hantierte mittlerweile mit einem Pfeifenstopfer. Es schien nicht richtig zu funktionieren, er drückte mit dem Daumen nach, was auch nicht half. Er atmete jetzt etwas schwerer, seine Brille beschlug, er suchte sein Taschentuch, dabei rutschte der Tabaksbeutel von seinem Schoß und während er sich danach bückte, stieß er mit dem Knie gegen das Schachbrett.
„Oder wollen wir uns lieber unterhalten?“ Fragte er.
Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, über das Unausweichliche und darüber,dass auch der Herbst seine Meriten habe. Er ging erleichtert.
Gespräche sind eine ganz besondere Medizin.